Wenn's mal nicht klappt und keiner weiß, was er sagen soll
Nervosität und ein Drink zu viel reichen oft schon. Was in dem Moment hilft und warum die Reaktion des anderen mehr zählt als die Erektion

Das Date war besser als erwartet, der Kuss im Treppenhaus auch, und jetzt liegt ihr bei ihm auf dem Bett, nach zwei Wochen Chat endlich dort, wo der ganze Abend hinwollte. Nur dein Körper zieht nicht mit. Du merkst es, er merkt es, und in deinem Kopf setzt ein Kommentator ein, der die Lage mit jeder Sekunde schlimmer beschreibt. Die meisten Männer kennen diesen Moment irgendwann, von der einen oder der anderen Seite des Betts. Erzählt wird er trotzdem kaum, nicht einmal den Freunden, die sonst jedes Detail eines Dates per Sprachnachricht bekommen.
Warum es ausgerechnet jetzt passiert
Eine Erektion braucht einen Körper, der sich halbwegs sicher fühlt. Nervosität und Stress schalten das Gegenteil ein, jenes System, das dich wach und fluchtbereit machen soll. Für deinen Körper ist ein aufregender neuer Mann deshalb manchmal nicht viel anders als ein wichtiges Meeting. Beides bedeutet Alarm, und im Alarm ist eine Erektion nicht vorgesehen.
Dazu kommt, was an solchen Abenden ohnehin im Spiel ist. Ein paar Drinks machen mutiger, ab einer gewissen Menge dämpft Alkohol aber genau die Signale, die unten ankommen müssten. Eine kurze Nacht oder ein Kopf, der noch halb im Büro steckt, reicht oft schon. Und dann gibt es das, was Sexualtherapeuten Spectatoring nennen. Du bist nicht mehr bei dem Mann, den du gerade küsst, sondern schaust dir selbst von außen zu und prüfst, ob es endlich klappt. Je genauer du hinsiehst, desto weniger passiert. Am größten ist der Druck oft ausgerechnet bei jemandem, den du wirklich magst, weil mehr auf dem Spiel zu stehen scheint als an einem Abend, der dir egal ist.
Manche tragen außerdem eine Rolle mit ins Bett. Wer im Profil Top stehen hat oder vom anderen so gelesen wird, bringt eine Erwartung mit, die er sich vielleicht gar nicht selbst ausgesucht hat. Der Körper liest leider keine Profile.
Was du in dem Moment tun kannst
Gegen den eigenen Körper anzukämpfen, funktioniert so gut wie nie. Hilfreicher ist, das Ziel loszulassen, das gerade alles blockiert. Ein kurzer, ruhiger Satz nimmt dem Moment viel von seiner Schwere, etwa dass du nervöser bist als gedacht oder dass der Abend länger war, als dir gutgetan hat. Einmal reicht. Fünf Entschuldigungen hintereinander machen aus einer Kleinigkeit einen Vorfall, über den ihr jetzt gemeinsam reden müsst.
Danach hilft es, das Programm zu wechseln. Sex besteht aus deutlich mehr als einer Erektion, und zwischen zwei Männern sollte das keine Neuigkeit sein. Ihr könnt einfach weitermachen, nur anders, oder eine Pause einlegen, nebeneinander liegen und über die Situation lachen. Nicht selten kommt die Erektion genau dann zurück, wenn niemand mehr auf sie wartet. Und wenn nicht, war es trotzdem ein guter Abend, nur ein anderer als geplant.
Die Reaktion des anderen entscheidet
Ob der Moment eine Randnotiz bleibt oder zum Thema wird, liegt weniger bei dem, dem es passiert, als bei dem, der daneben liegt. Der hat einen Körper, der genauso funktioniert, und kennt die Situation oft aus eigener Erfahrung. Das ist der Vorteil, den zwei Männer hier haben. Trotzdem geht die Reaktion leicht daneben.
Naheliegend ist die Frage, ob es an einem selbst liegt. Sie ist verständlich, verschiebt das Gewicht aber auf den Falschen, denn plötzlich muss der Nervöse auch noch den anderen beruhigen. Übertriebenes Trösten klingt dagegen, als sei gerade etwas Ernstes passiert. Am schlimmsten ist der stille Rückzug, das Umdrehen, der Griff zum Handy.
Was stattdessen hilft, ist wenig. Eine Hand, die liegen bleibt, ein Satz wie „Alles gut, wir haben Zeit“, und danach kein heimliches Abwarten, ob sich doch noch etwas tut. Wer zeigt, dass ihm der Abend auch so gefällt, nimmt genau den Druck heraus, der das Problem verursacht hat. Das bleibt oft länger hängen als alles, was nicht geklappt hat.
Wann es mehr ist als ein Abend
Gelegentliche Aussetzer gehören zum Sex wie schlechte Dates zum Daten. Anders ist es, wenn Erektionsprobleme über Wochen anhalten, auch in entspannten Situationen, auch mit einem Partner, bei dem du dich sicher fühlst. Dann lohnt sich ein Termin beim Hausarzt oder Urologen, weil körperliche Ursachen dahinterstecken können, die man abklären sollte. Schämen musst du dich dafür in keiner Praxis.
Für alle anderen Fälle gilt, was man nach so einem Abend gern vergisst. Es war ein Moment, kein Urteil über dich, und schon gar keins über ihn. Wie groß er wird, entscheidet ihr beide in den Minuten danach.


